The Badisch Beer Blog

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London: Bermondsey Beer Mile

Nach fast 2 Jahren war es endlich mal wieder an der Zeit, London zu besuchen.
So war es Ende Oktober für Timo wieder so weit, den Flieger in Richtung britische Hauptstadt zu besteigen, um in London ein verlängertes Wochenende zu verbringen.
Das es ein verlängertes Wochenende war, ist deshalb zu erwähnen, da an jenem Samstag die Bermondsey „Beer Mile“ belaufen wurde. „Beer Mile? Ist das irgend ein Marathon mit Biertrinken?“ Nein, ganz im Gegenteil. Im Londoner Südosten, im Stadteil Bermondsey unweit der Themse, haben sich auf einer Strecke von knapp 1,5 Meilen (ca. 2,5 Kilometer) 8 kleine Brauereien angesiedelt, welche immer samstags für ein paar Stunden zum Brauerei-Taproom werden, wobei zumindest eine von ihnen gar nicht mehr so klein ist. Südlich der Tower Bridge geht es links in die Druid Street und gestartet wird direkt mit der ersten Brauerei:

1. Southwark Brewing Company

Wie wir später noch bemerken werden, sind fast alle Brauereien auf unserem Weg in Bahnbögen unterhalb der Bahnlinie beheimatet. Einen ersten Eindruck vom Flair der einzelnen Brauereien auf der „Beer Mile“ bekommen wir auch schon beim ersten Stop, der „Southwark Brewing Company“. Wie in allen kommenden Brauereien wurde einfach nur das Brauerei-Equipment etwas auf die Seite gestellt, Biergarnituren in die Mitte des Raumes gestellt, mit einer kleinen Bar an der Seite und fertig ist der „Sud“.
Die „Southwark Brewing Company“ startete im Jahr 2014 und wurde so zum offiziellen Startpunkt der „Beer Mile“. Eher spezialisiert auf klassische englische Ales ohne Schnickschnack, bietet das erste Pro-„bier“ auch den perfekten Einstieg in einen hopfigen Tag.
Wir starten mit einem Black IPA und einem Double Hoped Pale Ale in den Tag, es ist jetzt kurz vor 12. Der Raum für Besucher ist bereits sehr gut gefüllt und es kommen immer mehr Gäste, denen wir auch mehrmals noch an den anderen Stops begegnen.

 

2. The Barrel Project

Der neuste Zuwachs auf der „Beer Mile“ war uns gänzlich unbekannt, befindet sich in direkter Nachbarschaft zur „Southwark Brewing Company“ und fanden wir auch nur durch Zufall. „The Barrel Project“ ist ein Projekt der „London Beer Factory“ aus dem Süden der Stadt.  Hier finden wir vor uns einen kompletten mit alten Holzässern vollgestellten Bahnbogen. Zum Zeitpunkt unseres Besuches waren allerdings leider nur 6 Fässer befüllt und noch keines der fassgereiften eigenen Biere fertig zur Verkostung. Somit begnügten wir uns mit einem Ginger in Time (Ginger Wheatbeer), welches überraschend gut ausgewogen schmeckte, auch wenn man kein Ingwer-Fan ist.

 

3. Anspach & Hobday

Bevor die Brauerei 2014 in einem Bahnbogen im Londoner Südosten gegründet wurde, haben Paul Anspach & Jack Hobday bereits viel als Hobbybrauer probiert. Gemeinsam mit der „Bullfinch Brewery“ zog man dann 2014 an die gerade entstehende „Beer Mile“. Mittlerweile haben „Anspach & Hobday“ einen eigenen Bogen, denn der Platz wurde bitter benötigt. Uns präsentiert sich der kleinste Besucher-/Tap-Room auf unserer Tour und so wird, notgedrungen, ein Flight mit 3 eigenen Bieren im Stehen genossen. Im Flight findet sich The IPA, Brother Sean (Porter mit belgischer Hefe vergoren) und Die Berliner Weisse, welche ohne Probleme sehr zu überzeugen wussten. Gepaart mit dem absolut tollen Maskottchen, der Taube mit Melone, konnte ich auch nicht widerstehen, die Merchandise-Einnahmen der Brauerei etwas aufzustocken. Eine Brauerei, die es sehr verdient hätte, auch in Deutschland bekannt zu werden!

 

4. Brew By Numbers

Wechseln wir im weiteren Verlauf auf die andere Seite der Bahntrasse, kommen wir in den „klassischeren“ Teil der Beer Mile. Mit „klassisch“ ist eher so 2013 gemeint. Die Brauerei ist in diesem Jahr in ihren Bahnbogen gezogen, aber immerhin einer der ersten. Im Gegensatz zu den drei vorherig besuchten Brauereien, ist der Taproom von „Brew By Numbers um einiges größer und ganz und gar nicht provisorisch. Das kommt dadurch, dass die Brauerei mittlerweile mehr als einen Bogen Platz benötigt. Der Taproom macht den Anschein, dass man hier auch unter der Woche ein paar feine Hopfensäfte zischen kann und lädt dazu ein, es sich gemütlich zu machen. Wir tun dies mit einem Session IPA mit Chinook, Columbus und Summit.

 

5. The Kernel

Eine Brauerei, an der man selbst in Deutschland aktuell nicht mehr drumherum kommt. Im Jahr 2009 gegründet, ist The Kernel DAS Urgestein auf der „Beer Mile“, auch wenn Sie erst seit ein paar Jahren hier beheimatet sind. Wer in Deutschland eines ihrer Biere in die Hände bekommt, sollte es auf jeden Fall erst wieder los lassen, wenn die Flasche leer ist. Der Grund ist einfach: Die Brauerei braut an der Belastungsgrenze und die Nachfrage ist viel zu groß, um alle befriedigen zu können oder gar viele tausende Flaschen im Jahr zu exportieren.
The Kernel macht sich auf insgesamt 4-5 Bahnbögen breit und bietet sogar einen kleinen Verkaufsraum. Leider gibt es zum Zeitpunkt unseres Besuches keinen Ausschank (mehr), dennoch eine riesige Auswahl an Flaschenbieren zum Mitnehmen oder direkt vor Ort Trinken. Das lass ich mir natürlich nicht zwei mal sagen und packe direkt ein paar Biere ein.

6. Fourpure Brewery

Der letzte Stop auf der Biermeile ist dann gut einen Kilometer weiter weg und nennt sich Fourpure Brewery. Eine Brauerei, die diesmal nicht in einem Bogen beheimatet ist, sondern in einer großen Lagerhalle mit ausreichend Platz für viele Besucher im brauereieigenen Taproom. Gegründet im Jahr 2013, wird mit Hauptaugenmerk auf einen soliden Charakter der Biere gebraut. Es findet sich kein einziges experimentelles Bier aka „Barrel-Aged“, „Sour“ etc. auf der Karte, sondern eine breite Auswahl an Lager, Pale Ale, IPA, Stout oder Porter. Überrascht war ich, ein weiteres untergäriges Bier auf der Karte zu finden und somit war die Getränkeauswahl klar. Mit einem Oktoberfestbier aka Märzen und einem New England Session IPA wurden noch die letzten Sonnenstrahlen vor der Halle genossen. Es ist jetzt 16 Uhr und somit Zeit, die Biermeile zu verlassen.

Fazit: Die Londoner „Beer Mile“ ist für jeden Bierfan auf jeden Fall eine Empfehlung. Mit Preisen von um die 2,50 – 3 Pfund pro 2/3 Pint (sprich ca. 0,3 Liter) kann man hier zu fairen Konditionen neue Kreationen testen – inklusive Blick hinter die Kulissen.
Die Brauereien „UBrew“ und „Partizan Brewing“, die sich ebenfalls auf der „Beer Mile“ befinden, wurden von uns leider ausgelassen, werden aber auf jeden Fall bei einem weiteren Besuch ganz oben auf der Liste stehen.

Für alle, die die „Beer Mile“ selbst ablaufen möchten, hier die passende Karte:

P.S.: Auch wenn folgende Brauerei nicht zur „Beer Mile“ gehört, ein Besuch der Beavertown Brewery im Norden Londons ist danach ebenso zu empfehlen. Der zur Brauerei gehörige Taproom ist ebenfalls nur samstags geöffnet, dafür aber bis 20 Uhr und sollte auf jeden Fall, sofern Zeit dafür ist, im Anschluss besucht werden. Wir waren dort und waren begeistert!

Hoptimizer Hoptimizer • 5. November 2017


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Comments

  1. Thomas 22. November 2017 - 21:01 Reply

    Moin Leute,

    cooler Artikel! Ich kannte die „Beer Mile“ noch gar nicht. Wird beim nächsten Londonbesuch aber unbedingt nachgeholt!
    Danke und cheers

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