Wie Island die Bierwelt sieht – Teil 1

Ein Reisebericht über ‚trinken nach Zahlen‘, Wasserfälle und atemberaubende Orte

Island ist nach der Fußball-Europameisterschaft wohl in aller Munde. Timo hat es bereits Mitte Juni nach Island verschlagen, nicht nur um einige Biere zu testen.
Aber beginnen wir von vorne:
Eine Reise nach Island war ein sehr lang gehegter Traum, der im Juni 2016 endlich in Erfüllung gehen sollte. Geplant im Januar stieg die Vorfreude Tag für Tag, je näher der Tag des Abflugs kam. Genug Zeit, die Reiseroute zu planen und sich im Vorfeld ein wenig mit Land und Leuten zu beschäftigen. Zuerst natürlich die Reiseroute.

Anschließend blieb genug Zeit, sich um Land und Leute zu kümmern.
Unglaublich aber wahr, in Island war bis 1989 Bier mit mehr als 2,25% gesetzlich verboten. Na das kann ja als Craft Beer-Liebhaber was werden, wenn sich die Isländer noch am Anfang ihrer Brautradition befinden. Aber ich sollte auf meiner Reise eines Besseren belehrt werden. Kuriosität Nummer 2: Seither gibt es Bier aus der Flasche oder der Dose nur in einem von 42 staatlich kontrollierten „Vínbúðin“-Shops, welche über ganz Island verstreut sind und nur zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet haben. Na toll! Aber nach einer kurzen Recherche ergab sich der riesengroße Vorteil dieser Läden. Man bekommt tatsächlich alles von jeder isländischen Brauerei in jedem dieser Läden. Da kann sich Deutschland mal gewaltig eine Scheibe von abschneiden.

Tag 1 – 21.06.2016

14:50 Uhr, Flughafen Frankfurt am Main. Reise und Etappen geplant, der Flieger hebt ab, kaum zu glauben – es geht endlich los. Mit den Klängen von „Ólafur Arlands – So Close“ aus den Flugzeuglautsprechern wird Frankfurt immer kleiner und Island rückt immer näher. Wahnsinn wie Icelandair die heimischen Künstler unterstützt. Mit 30 Minuten Verspätung landen wir auf dem internationalen Airport in Keflavik, auf dem auch direkt das erste Bier gekauft wird, da im Duty Free Supermarkt das Bier etwas günstiger sein soll. Mehr zu diesen Bieren gleich. Zuerst noch schnell das Mietauto bei Sixt abholen und schon geht es los in Richtung erster Stop: Laugarvatn.

Mit einem kurzen Halt im Þingvellir Nationalpark, in dem die Eurasische und Amerikanische Kontinentalplatte auseinander driften, gab es um 20:30 Uhr Ortszeit endlich das erste isländische Bier:

Einstöck – Arctic Berry Ale (5,2%)
Die Brauerei Einstöck aus dem isländischen Norden ist in Deutschland mittlerweile nicht mehr unbekannt. So findet sich oft in gut sortierten (Craft-) Bier-Läden das „Arctic Pale Ale“ oder das „Icelandic White Ale“. Das „Arctic Berry Ale“ haben wir hierzulande noch nicht gesichtet, so musste das natürlich direkt mit in den Einkaufskorb!
Direkt nach dem Öffnen der Dose bemerkt man eine dominante Beerennote im Geruch, welche im Geschmack nicht weniger wird, sondern genau so dominant bleibt. Die Beerennote und der fast gänzlich fehlende Hopfengeschmack geben dem Bier schon fast den Charakter eines Mix-Bieres wie es bei uns zu Hauf im Supermarkt zu kaufen ist. Aber genau diese Süße bewirkt, dass von den fünf Prozent Alkohol fast nichts zu schmecken ist. Trotzdem hat dieses Bier doch etwas besonderes.
Mein Urteil: rating_icon rating_icon rating_icon rating_icon rating_icon

Borg Brugghús – Nr. 25: Solveig – Hoppy Weizen (6,2%)
Das Borg Brugghús ist neben Einstöck wohl DIE Craft Beer-Brauerei in Island, nur findet man die Biere des Brauhauses so gut wie gar nicht außerhalb der Insel. Auf der Insel hingegen findet man die Biere fast in jeder Kneipe, in jedem Pub und in jedem „Vínbúðin“-Shop. Die Aufmachung der Borg-Biere ist immer die gleiche: ein sehr schlicht gehaltenes Label, auf dem von Bier zu Bier nur das Wesentlichste ausgetauscht wird. Und eines der genialsten Dinge, die ich bisher bei Craft Beer beobachtet habe, hat die Borg Brauerei gleich für sich mit gepachtet: Jede Biersorte hat eine Nummer. So hat zum Beispiel dieses „Hoppy Weizen“ die Nummer 25, was es einem an der Bar, sofern man die Nummern kennt, doch sehr viel einfacher macht.
Das hopfengestopfte Weizen hat so gut geschmeckt, dass wir diesem einen eigenen Artikel schenken!
Mein Urteil: rating_icon rating_icon rating_icon rating_icon rating_icon

Tag 2 – 22.06.2016

Tag 2 bricht an und heute geht es endlich zu DEN Touristen-Attraktionen Islands. Nämlich zum „Geysir“, der „Geysir“ heißt, weil er allen anderen Geysiren ihren Namen gibt. Ausserdem steht der Wasserfall „Gullfoss“ auf dem Plan, welcher wohl der bekannteste, aber nicht der größte Wasserfall Islands ist.

Und wie das nun mal bei den Touristen-Attraktionen der Touristen-Attraktionen so ist: Touristen über Touristen. Hier haben wir einen Tipp befolgt, der uns von einem Island-Kenner gegeben wurde: „Geht früh aus dem Haus!“ – gesagt, getan und somit hatten wir das Glück, vor den meisten Touristen-Bussen anzukommen und die Möglichkeit, diese atemberaubenden Landschaften und Eindrücke zu genießen, die einem mal wieder zeigen, wie klein doch der Mensch ist.

Ein kurzer Zwischenstop im „Vínbúðin Flúðir“ und einem Supermarkt in Selfoss später wird Hvolsvöllur angefahren. Nächste Unterkunft, nächste Biere:

Borg Brugghús – Nr. 19: Garún – Stout (11,5%)
Die Nummer 19 aus dem Hause Borg sollte also den Abend gemütlich einläuten. Wunderschön schwarz sieht das Stout im extra gekauften Glas aus. Man will sein Bier als echter Craft Beer-Fan ja schließlich nicht aus der Flasche trinken. Sehr sehr malzig schmeckt dieses Bier und der Antrunk ist wunderbar angenehm. Dann berührt das Bier die Zunge und die Geschmacksnerven intensiver und man stellt sich direkt die Frage: „Was stimmt mit diesem Bier nicht? Irgendwas stimmt hier nicht.“ Das Stout wird sehr bitter, nicht mehr so angenehm zu trinken und hat irgendwie einen Beigeschmack als hätte jemand Wodka oder ähnliches mit in den Gärtank geschüttet. Leider erst nach der Hälfte merke ich, dass dieses Stout 11,5 Prozent hat, was auch diesen starken Alkoholgeschmack erklärt. Ein Stout, das gut hätte sein können, aber leider zu stark ist.
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Einstöck- Toasted Porter (6,0%)
Als Betthupferl nach einem anstrengenden Sightseeing-Tag soll jetzt nun das „Toasted Porter“ von Einstöck dienen. Das Porter gab es auch schon in dem ein oder anderen gut sortierten Fachhandel in Deutschland zu kaufen, aber momentan fast nicht mehr zu finden. Umso schöner natürlich, dass sich dieses Bier in einen bzw. alle „Vínbúðin“-Shops geschlichen hat.
Das „Toasted Porter“ ist angenehm malzig, genau so wie ein Porter zu schmecken hat und ist wunderbar mild. Die malzige Note zieht sich komplett vom An- bis zum Nachtrunk durch und macht das Porter unheimlich lecker und sehr angenehm zu trinken.
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Tag 3 – 23.06.2016

Tag 3 ist angebrochen und heute zieht es uns über ein paar Wasserfälle, den berühmten Schwarzen Strand und durch den ganzen Süden in Richtung Höfn.

Unsere wohl längste Etappe steht nun an. Über eine kleine Wanderung am wunderschönen Wasserfall „Seljalandsfoss“, ein kleiner Spaziergang (weil zu viele Touristen) am Wasserfall „Skogafoss“ bis hin zum Schwarzen Strand. Das Wetter war passend trüb als wir am Schwarzen Strand angekommen sind und somit entstehen wohl die besten Bilder und unvergleichliche Eindrücke. Ebenso der Besuch im Besucherzentrum des „Eyjafjallajökull“ – eine sehr surreale Erfahrung, sich die gemachten Aufzeichnungen im Nachhinein anzusehen.
Es folgten 150 KM Landschaft, die man ohne zu zweifeln auf den Mond versetzen könnte. Wieder so eine unwirkliche Landschaft, auf der die Amerikaner doch glatt die Mondlandung gedreht haben könnten.
Am Ende der Mondlandschaft folgt der wohl spannendste und schönste Fleck Erde auf Island, den wir besucht haben: die Gletscherlagune „Jökulsarlon“. Da steht man als vor diesem Gletschersee mit den Eisbergen und dem riesigen Gletscher „Vatnajökull“ im Hintergrund, von welchem wir nur einen winzigen Teil sehen. Der Gletscher „Vatnajökull“ ist der größte Gletscher Islands und witzigerweise auch Passwortgeber für das WLAN-Passwort unserer heutigen Unterkunft in Höfn. Höfn ist die erste von Europa aus erreichbare Hafen-„Stadt“ und Hummerhochburg Islands. Ein schönes kleines Städtchen, welches in Deutschland höchstens als größeres Dorf durchgehen würde.

Viking – Pils Organic (5,0%)
Die Brauerei Viking ist stark verbreitet in Island, was sich dadurch äußert, dass einem an jeder Ecke immer wieder das Logo ins Auge springt. Sowohl in „Vínbúðin“-Shops als auch an Pubs und Bars. Neben dem Lager und auch einem Pale Ale, welches ich nur flüchtig im Flughafen Duty Free Shop erspäht habe, wird auch ein „Organic Pils“ gebraut.
Das Pils ist äußerst mild, schmeckt sehr rund und hat ein leichtes Malzaroma. Es trinkt sich dadurch unglaublich leicht, ist aber für einen Deutschen, der diverse Biere der Sorte Pils kennt, leider viel zu gewöhnlich und sticht nicht aus dem Bekannten heraus.
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Borg Brugghús – Nr. 32 Leifur – Nordic Saison (6,8%)
Und täglich grüßt ein Bier des Borg Brugghús. Heute Abend also die Nummer 32, ein Nordic Saison.
Das Leifur ist glücklicherweise unfiltriert und hat eine wunderschöne Bernsteinfarbe. Das verwendete Weizenmalz erkennt man sehr gut im Geruch und genau so gut im Geschmack. Das Bier ist wenig hopfig, aber die geringe Menge Hopfen, die man herausschmeckt, ist sehr angenehm gewählt. Der Rest des Geschmacks wird durch das verwendete Weizenmalz ausgefüllt, was das Nordic Saison sehr ausgewogen erscheinen lässt. Nach dem Stout von gestern wieder ein Höhepunkt im Sortiment des Borg Brugghús. Ich bin gespannt was noch auf uns wartet!
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Ihr habt Lust auf mehr? Dann seid gespannt, wie es weitergeht: und zwar nächste Woche mit Tag 4 bis 7!

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