The Badisch Beer Blog

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Wie Island die Bierwelt sieht – Teil 3

Ein Reisebericht über ‚trinken nach Zahlen‘, Wasserfälle und atemberaubende Orte
Aka Reykjavik für Bier Fans
Tag 8 – 28.06.2016

Heute ist der Tag an dem wir unser mittlerweile lieb gewonnenes Auto abgeben müssen.
Im Vorfeld der Reise haben wir unseren Mietwagen online gebucht, was auch jedem Island-Reisenden dringend zu empfehlen ist. Auf Grund der nicht sehr günstigen Preise entschieden wir uns für die kleinste Wagenklasse, der kleinen Wagenklassen: ein Chevrolet Spark.

Nach Abgabe des Mietwagens haben wir das Hostelzimmer in Reykjavik bezogen und uns direkt im wohl Island untypischsten Restaurant, dem „Red Chili“, ein Festessen gegönnt. Das Red Chili ist ein recht trashiges „mexikanisches“ Restaurant mit riesigen Portionen leckerem Essen und Bier des Borg Brugghús vom Fass.

Nun ist es schon etwas später am Tag und wir begeben uns auf die Suche nach den Bier-Hotspots der Stadt.
Als erstes legen wir einen Stop bei Mikkeller & Friends ein, einer Craft Beer Bar der dänischen Brauerei Mikkeller, die das gleiche Konzept wie BrewDog verfolgt, in Europa bzw. weltweit eigene Bars zu eröffnen. In einem sehr unscheinbar aussehenden Haus ist von außen nur ein Schriftzug zusehen, der auf die Bar aufmerksam macht. Im Haus sind wir etwas verwundert, denn die Bar im Erdgeschoss sieht so gar nicht nach Craft Beer Bar aus. Des Rästels Lösung findet sich ein Stockwerk weiter oben, im ersten Stock, denn nur dort befindet sich die Mikkeller & Friends Bar. Hier erwarten uns 20 Taps und ein atemberaubendes Ambiente, das wirklich dazu einlädt, sich durch die Karte zu probieren.

To Øl – Tabloid Beer – Belgian Table Beer (4,6%)
To Øl ist ebenfalls wie Mikkeller eine dänische Brauerei und so ist es auch nicht vewunderlich, dass es deren Biere hier gibt. Das erste Bier des Abends ist ein „Belgian Table Beer“, ein Sorte mit normalerweise wenig Alkohol und dennoch vollem Aroma. Dieses hier hat nun aber gemäßigte 4,6% und eine leichte Mango-Note im Geschmack sowie im Geruch. Begleitet vom leichten Weizen-Aroma wirkt es zudem nicht herb oder bitter.
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To Øl – Totem Pale Ale – Gluten Free APA (4,6%)
Das Pale Ale der To Øl-Reihe ist das Totem Pale Ale, welches glutenfrei gebraut wurde. Das Totem Pale Ale hat eine angenehme, nicht zu aufdringliche Mango-Note im Geruch gefolgt von einem leichten Grapefruit-Touch – beides zusammen ergänzt sich tadellos. Der vorherrschende Mango-Geruch spiegelt sich im Geschmack allerdings als nicht mehr so dominant wieder und wird von der Grapefruit überholt. Diese Note bringt auch noch eine leichte Bittere mit, die sich wunderbar in das Gesamtbild einfügt.
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Mikkeller – Hverfisgata – Braunbier (5,0%)
Das Bier mit dem unausprechlichen Namen ist nach der Straße benannt, in der die Bar liegt. Dabei handelt es sich um ein Braunbier, wobei es auch ein gleichnamiges Pils oder ein Witbier gibt, welche es nur in Reykjavik zu trinken gibt, so lautet zumindest das Ergebnis einer Internetrecherche.
Aber mehr zum Bier: Es hat ein starkes Karamellmalz-Aroma, was sich auch auf die Farbe niederschlägt. Das Karamellmalz stellt auch den Großteil des Geschmacks, da hier kaum Aroma- oder Bitterhopfen heraus zu schmecken sind. Allein das leicht herbe Aroma lässt auf gewisse Hopfen schließen.
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Mikkeller – K:Relk Var/Sommer – Pale Ale (5,0%)
Das glutenfreie Pale Ale aus der Reihe der Mikkeller-Biere zeigt sich im Glas unfiltriert, was dem Bier natürlich einen Pluspunkt beschert. Beim ersten Schluck zeigt sich direkt ein starkes Weizenmalz-Aroma, das dominant über allem anderen steht. Bei einem Pale Ale erwarte ich normalerweise ein hopfenbetontes Bier mit fruchtigen Noten. Dieses ist leider kaum hopfenbetont, nur leicht herb und deshalb nichts besonderes.
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Aber das war erst der Anfang und das beste sollte noch kommen!

Tag 9 – 29.06.2016

Am heutigen Tag soll ein lang gehegter Traum – neben der Reise nach Island – in Erfüllung gehen: Wir gehen auf Whale Watching Tour! Und das ist wirklich eine Empfehlung, denn niemand sollte in Island gewesen sein, ohne eine Whale Watching Tour zu unternehmen!

Von Reykjavik aus geht es mit dem Boot fast vier Stunden raus auf die Grönlandsee mit einem grandiosen Blick auf das isländische Festland und die Küste der Westfjorde. Etwas Glück benötigt man bei einer Whale Watching Tour natürlich immer, aber wir hatten einiges davon an Board. Wale zu sehen, ist einfach atemberaubend!

Nachdem wir uns auch diesen Traum erfüllt hatten, kommt nun der heißeste Geheimtipp für Bierfans: Das Bryggjan Brugghús. Dessen Hafenlage kam uns nach der Bootstour entgegen und so konnten wir ganz einfach zum Brauhaus laufen.
Brugghús(e) gibt es in Island viel, aber keines davon mit Ausschank. So ist Bryggjans Brugghús das erste und einzige Brauhaus Islands mit Ausschank und Bewirtung. Als Bier-Fan sollte man sich das auf keinen Fall entgehen lassen!
In sehr gemütlicher Atmosphäre sitzt man in einem sehr großen Brauhaus mit Platz für ungefähr über 300 Personen, zwischen den Braukesseln auf der einen und einer Fensterfront zum Hafen auf der anderen Seite. Vergleichbar mit einem modernen deutschen Brauhaus. Ich bin schon begeistert, ohne bisher etwas getrunken oder gegessen zu haben.

Bryggjan Brugghús – Redrum – Red Ale (5,5%)
Ein Red Ale, dass alle mir bekannten Red Ales definitiv hinter sich lässt. Beginnen wir mit der ungewöhnlich dunklen Farbe dieses Bieres, welche schon eher an ein Stout als ein Red Ale erinnert, aber halte ich das Bier gegen Licht, scheint hier doch ein rötlicher Schimmer durch. Geschmacklich gibt es eine förmliche Explosion durch das Karamellmalz, welches die Nase schon im Geruch gekitzelt hat. Ein intensives, aber nicht penetrantes, Karamell-Aroma legt sich auf die Zunge, gefolgt von einer dezenten Herbe. Dieses Red Ale kommt ausgesprochen leicht daher und unglaublich rund. Ein Bier, dass ich mir am liebsten fässerweise mit in die Heimat genommen hätte!
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Bryggjan Brugghús – EM Björinn – Session India Pale Ale (4,7%)
Passend zur Fußball-Europameisterschaft, bei der ganz Island im Fußballfieber ist, wurde von Bryggjans Brugghús ein Session India Pale Ale gebraut, dass das offizielle EM-Bier der Brauerei darstellt.
Das leicht bernsteinfarbene bis goldene Bier weht einen hopfenbetoten Geruch mit einer leichten Citrus-Note um die Nase. Auch das Session IPA explodiert im Mund mit einem geballten Hopfenaroma mit Citrus, Grapefruit, Litschi und ein Hauch von Mango. Kaum bitter macht das EM Björinn den Anschein, hopfengestopft zu sein und zeigt seine volle Kraft bei jedem Schluck. Genau solch ein Bier wünsche ich mir in jedem Brauhaus in Deutschland. Gemeinsam mit dem hopfengestopften Weizen und dem Session IPA aus dem Hause Borg reiht sich auch dieses in meine Top 3 der isländischen Biere ein. Ein wahrer Genuss, von dem ich nicht genug bekommen kann!
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Bryggjan Brugghús – Lager (5,0%)
Zum Abschluss des Dreiers gibt es das hauseigene Lager. Und kaum steht das Bier auf meinem Tisch, fühle ich mich wie zu Hause – das Lager ist unfiltriert! Nicht zu lange gelagert und somit noch naturtrüb. In der Karte des Brauhauses wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieses Lager nach dem Vorbild deutscher Pilsner gebraut wurde. Aber nicht nach dem Einheitsbrei der Häuser Warsteiner, Bitburger und Co, denn der Geschmack zeigt das Gegenteil. Mit einem ausgesprochen angenehmen Malzaroma und den Hopfensorten Magnum und Saas hat das Bier einen ausgeprägt runden Geschmack, bei dem einfach alles passt. Angenehm herb könnte es ein perfekter Mix aus den besten Bieren der Karlsruher Hausbrauereien Vogel, Andreas Bräu, Kühler Krug und Badisch Brauhaus sein. Es passt einfach alles bei diesem Lager.
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Nach dem Brauhaus stolpern wir auf dem Rückweg zum Hotel noch zufälligerweise über die Microbar, welche im Internet schon sehr hoch angepriesen wurde und somit sowieso auf meiner Liste stand. Die Microbar ist im Keller eines bei Touristen scheinbar sehr beliebten Restaurants, hat 16 Biere vom Fass und mehrere 100 Biere aus der Flasche. Da kann man doch schnell den Überblick verlieren.
Als ich an der Bar das Bier auf Tap 15 entdeckte, wollte ich mir aber auch keinen weiteren Überblick über das Angebot verschaffen und musste mich bei dem Barkeeper auch zur Sicherheit noch einmal vergewissern, ob es sich dabei um das Bier handelt, dass ich vermutet habe.

Northern Monk Brew – Opeth Communion – Pale Ale (5,1%)
Nachdem mir der Barkeeper drei mal versichtert hat, dass es sich bei diesem Bier tatsächlich um das Pale Ale handelt, welches mit der Band Opeth gebraut wurde, kam nur noch ein „TAKE MY MONEY“ über meine Lippen. Obwohl ein halber Liter 1500 Kronen (ca. 11 Euro) kostete,  musste ich dieses Bier einfach trinken!
Das Opeth Communion ist relativ dunkel für ein Pale Ale und zudem unfiltriert. Ein sehr hopfenbetontes, mildes Bier, welches kaum bitter ist und mit einer leichten Citrusnote belegt, die sich durch das ganze Bier zieht vom Antrunk bis zum Abgang. Es fehlt eigentlich nur noch, dass eine Opeth-Platte im Hintergrund aufgelegt wird.
Nach einer Internetrecherche habe ich mich eigentlich schon damit abgefunden, dieses Bier niemals probieren zu dürfen, da es online bereits vergriffen und im lokalen Bier-Store nicht erhältlich ist. Dass dieses Bier, welches auch noch vom Fass kam, dem Island Urlaub noch einen weiteren Diamanten in die Krone gesetzt hat, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu sagen.
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Tag 10 – 30.06.2016

Rückreisetag. Heute müssen wir Reykjavik leider in Richtung Flughafen verlassen, aber nicht ohne noch einmal ein paar gute Biere und ein wahnsinnig leckeres Essen im Bryggjan Brugghús zu uns zu nehmen.

Island war eine wunderbare Erfahrung, um welche ich glücklich bin, sie jetzt gemacht zu haben, da Island immer beliebter bei Touristen wird. Leider konnten wir aus verschiedenen Gründen natürlich nicht alles sehen. Wie bei den meisten Urlauben gibt es zu viel zu sehen in zu wenig Zeit, diese Pläne umzusetzen.
Ich empfehle absolut jedem, sich dieses wunderschöne Land anzuschauen, die Stille und das gute Bier zu genießen.

Ich werde auf jeden Fall wieder kommen!
Timo

Hoptimizer Hoptimizer • 24. Juli 2016


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Comments

  1. Christian Speck 21. Oktober 2017 - 8:56 Reply

    Hallo Timo und Benjamin,

    Vielen Dank für eure tollen Blogbeiträge! Ich bin ein grosser Fan des Nordens, soeben von meiner 7. (!) Islandreise zurück – und habe erst dieses Jahr das Bier entdeckt, nicht nur das Bier Islands, sondern das Bier überhaupt. Keine Ahnung warum erst jetzt, mir schmeckte bislang einfach Bier nicht, ich war ausschliesslich ‚Wein-orientiert‘. Da ich aber ein weltoffener Mensch bin, habe ich keine Gelegenheit verstreichen lassen, Bier zu versuchen, es hätte ja sein können, dass ich es plötzlich mag. So geschehen in Island, zuerst mit dem Einstök-Bier, und noch viel besser dann mit dem Borg Brugghús Nr. 19. Und weil ich nun das Bier neu entdeckt habe, habe ich auch die Biere Schottlands (eines meiner Lieblingsländer) näher angeschaut – Wahnsinn. Eine ’neue‘ Welt. Ich würde mich nun beileibe nicht als Bierkenner betiteln, sondern als reifer Anfänger ;-).
    Jedenfalls mein Kompliment für euren tollen Blog, er motiviert ungemein, beides Text und Bild – macht weiter so.

    En herzliche Gruess us de Schwiiz, wie wir so sagen hier,
    Christian

    • Hopfenstrolch 21. Oktober 2017 - 10:38 Reply

      Hallo Christian,
      vielen vielen Dank für deine lieben Worte! Über solch ein Feedback freuen wir uns natürlich besonders 😉

      Liebe Grüße in die Schweiz aus Karlsruhe
      Timo & Benny

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