The Badisch Beer Blog

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Zu Besuch im Taproom Jungbusch

Ein Gespräch über schlichtweg geiles Bier und darüber, Leute zu überraschen.

Wir haben uns mit Ben vom Taproom Jungbusch auf ein paar Bier zusammen gesetzt und über geiles Bier, überraschte Leute und religiöse Erfahrungen gesprochen.

Hallo Ben, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Die Frage, die du wohl am meisten gestellt bekommst, vorab: Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Taproom zu eröffnen?

Ich und mein Partner Brandon sind schon sehr sehr lange Craft Beer-Fans. Im Prinzip bin ich auf die Idee gekommen, weil ich im Ausland gesehen hab, was es für ein riesen Angebot gibt, wie geil Craft Beer ist und ich hab mich darüber geärgert, dass ich das zu Hause nirgends bekommen kann, vor allem nicht „On Tap“. Meinen vorherigen Job fand ich zum Kotzen und dann kam irgendwann mal die Idee, was mit Bier zu machen. Jetzt gab es zwei Möglichkeiten: entweder Brauen, ich braue auch selbst, oder Gastronomie. Es gibt mittlerweile einige Gastronomen, die Craft Beer anbieten, und es werden immer mehr, aber die bekommen es alle irgendwie nicht richtig auf die Straße, da die Verfügbarkeit doch das größte Problem darstellt. Und so kam die Idee: wenn es keiner macht, dann machen wir es halt selbst.

Ihr habt am 7. Dezember 2015 (sofern wir richtig informiert sind) eröffnet. Wie lang hattet ihr schon die Idee?
Am 4. Dezember (lacht). Die Idee hatten wir ungefähr ein Jahr vor der Eröffnung. Am Anfang haben wir nach einer Location gesucht, was sich als äußerst schwer herausgestellt hat, da in Deutschland normalerweise 90% aller Gaststätten Brauereibindung haben und das Konzept eines Taprooms kann man nicht fahren, wenn es eine Brauereibindung gibt. Viele Anrufe später, wobei hierbei alle eine Brauereibindung hatten, sind wir auf das ehemalige „Moustache“ (eine ehemalige Cocktailbar) gestoßen, wo wir gehört haben, dass der Laden frei werden sollte. Die Location hatte keinen Brauereivertrag und befand sich dazu auch noch in Jungbusch – absolut perfekt, Volltreffer.

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Ist auf jeden Fall ein sehr sehr cooler Laden!
Was für die meisten ja verborgen bleibt, wie viel Vorarbeit habt ihr bis zum Eröffnungstag in den Taproom gesteckt?

Wir haben uns lange vorher schon mental damit befasst, wie zum Beispiel „Wie viele Taps machen Sinn?“. Viele Fragen sind bei langen Gesprächen bei einigen Bieren gereift, aber es kommt dann doch alles sehr auf die Location an. Erst als wir die Location dann hatten, konnten wir entscheiden wie wir das Konzept umsetzen. Im Endeffekt ging aber alles sau schnell. Wir haben innerhalb von zwei Monaten den Laden umgestaltet, alles in Eigenarbeit. Wir standen auch wirklich zwei Monate lang jeden Tag zwölf Stunden hier im Laden.

War das dann ein fließender Übergang von deiner vorherigen Tätigkeit?
Ich hatte vorher schon gekündigt und hab in den Monaten zwischen Kündigung und Eröffnung Vollgas gegeben. Location gesucht, Location gefunden, umgebaut und schlussendlich am 4. Dezember eröffnet.

Hat sich aber auf jeden Fall gelohnt!
Unbedingt! Das war die beste Entscheidung meines Lebens.

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Was waren eure ersten Berührungspunkte mit Craft Beer?
Durch berufliche und private Aufenthalte im Ausland, wie in den USA oder UK, bin ich zum ersten Mal auf Craft Beer gestossen. Ich wusste aber noch nicht so wirklich was ich damit anfangen sollte.
Privat hab ich mir dann auch immer mehr Brauereien angeschaut und gezielt die Biere probiert. Dann hab ich noch einen Freund aus Heidelberg, der schon sehr früh angefangen hat zu brauen, und mit ihm bin ich dann noch intensiver in das Thema eingestiegen bis ich dann auch selbst angefangen hab zu brauen.

Braust du zu Hause oder sind das Rezepte, die du in einer Brauerei brauen lässt?
Im Moment, seitdem ich den Laden habe, mach ich leider nichts mehr, weil ich keine Zeit mehr habe. Davor hab ich zu Hause im Keller gebraut.
Wir haben allerdings jetzt endlich mal wieder gebraut, in der Brauerei „Brewers Fantasy“ im Odenwald, weil das, was wir zu Hause haben, dürfen wir leider nicht verkaufen und die Menge wäre auch zu klein.
Wir haben aktuell auch nicht das Kapital für eine eigene Brauerei, also sind wir zur Brauerei „Brewers Fantasy“ in den Odenwald gefahren und haben endlich was gebraut. Es wird ein Pale Ale, das Ende Juni kommen und dann auch in Zukunft durchgängig als Hausbier hier im Taproom verfügbar sein wird. Für dieses Bier wird dann einer unserer zwölf Taps reserviert, zwischendurch werden wir aber auch noch andere abgefahrene Biere brauen, so der Plan.

Dürfen wir schon wissen wie euer Hausbier heißen wird?
(lacht) Das ist interessant, weil das will jeder wissen. Ich hab zwar Ideen für einen Namen, aber da es das Bier nur hier gibt, auch nicht in Flaschen, werden wir es wohl einfach nur „Haus Pale Ale“ nennen und kein Brand dahinter setzen, sozusagen als Understatement.

Wenn wir euer Angebot über die Bilder, die ihr bei Facebook oder Instagram postet, verfolgen, bietet ihr einen bunten Strauss an Biersorten an. Gab es bisher ein Bier, das besonders gut lief bzw. eines, das sich als Ladenhüter erwiesen hat?
Also zunächst mal muss ich sagen, dass wir noch nie irgendein Bier haben wegschütten müssen, wir haben immer alles los bekommen. Das Bier, das am längsten am Hahn hing, hing dort knapp zwei Wochen und das war ein Barrel Aged Stout mit 12%. Solche Biere laufen nicht so, da man für gewöhnlich an so einem Bier deutlich länger trinkt als an einem Pale Ale oder IPA. Welches konkret, kann ich leider nicht sagen aber prinzipiell laufen die fruchtigen, beispielsweise die West-Coast-Style-Biere am besten.

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Taprooms sind in Deutschland ja noch sehr rar gesät. Wir kennen noch einen in München und einen in Berlin, dann hört es aber auch schon auf. Kannst du eingrenzen, ob mehr Besucher aus Mannheim kommen oder auch welche von weiter her?
(zeigt auf uns – lacht) Es kommen erstaunlicherweise Leute aus Frankfurt, aus Stuttgart oder auch besonders viele Amerikaner aus Kaiserslautern. Wir haben auch ein Pärchen aus Darmstadt, das uns mindestens einmal im Monat besucht und sich jedes Mal quer durch die Karte trinkt. Darmstadt ist jetzt zwar nicht so weit, aber knapp zwei Stunden Fahrtzeit, um Bier zu trinken, ist vergleichsweise doch eine größere Anreise. Aber wir wollen natürlich auch die lokale Bevölkerung von dem Thema überzeugen. Die Mehrzahl der Gäste kommt natürlich hier aus der Region.
Natürlich haben wir am Anfang auch immer gehört, dass keine Sau in Mannheim fünf Euro für ein Bier zahlen wird, dass das niemals funktionieren wird. Aber doch, es funktioniert. Wenn du geiles Bier hast, eine coole Location und eine angenehme Atmosphäre, läuft das überall, auch wenn dir die Leute überall sagen, dass es nicht laufen wird.

Aber die Nachfrage ist schliesslich da.
Ja klar, aber man muss die Nachfrage auch aktiv pushen. Deshalb haben wir hier immer wieder kleine Probierer oder wie heute eine Auswahl an Biercocktails. Die meisten hatten noch nie was mit Craft Beer am Hut, deshalb muss man auch ziemlich viel Entwicklungsarbeit leisten und wenn man es richtig macht, kommen die meisten auch immer wieder.
Viele Besucher kommen hier zum erst Mal rein und wissen nicht so genau, was sie trinken sollen. Sie suchen sich dann ein solch teures Bier aus und sind am Ende richtig aus dem Häuschen. Das sind meine liebsten Kunden; die, die man noch überraschen kann.

Hier in Mannheim gibt es ja mittlerweile auch einen Craft Beer Shop, das Upper Glas. Startet ihr was zusammen oder lebt man eher nebeneinander?
Wir habe gerade angefangen, den Einkauf zusammenzumachen. Einige Biere müssen importiert werden und die muss man sich liefern lassen und es bietet sich einfach an, diese Bestellungen gemeinsam durchzuführen. Wir sehen uns auch nicht als Konkurrenz, ganz im Gegenteil. Wenn es nach mir ginge, könnte da auch noch viel mehr passieren, denn je mehr in dem Bereich passiert, umso eher kommt das Thema auch an die Oberfläche.

In der Craft Beer-Szene betrachtet man sich ja auch nicht als Konkurrenz, sondern eher als Befreundete, die das selbe Ziel verfolgen.
Exakt so ist es.

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Welches Bier würdet ihr sofort jedem und überall empfehlen? (Stichwort „Lieblingsbier“)
Das ist eine ganz schwierige Frage. Ich will jetzt keine Marke nennen, aber was man immer empfehlen kann, mehr oder weniger blind, sind IPAs mit nicht so viel Alkohol, die möglichst fruchtig schmecken oder auch fruchtige Pale Ales. Das mögen auf jeden Fall die meisten. Wenn ich so ein Bier am Hahn hab, weiß ich da geht nichts schief. Zum Beispiel das Soundwave von Siren Craft Brew ist sehr einfach zu trinken. Zwar könnte es noch einen Tick fruchtiger sein, aber da kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

Gibt es ein Bier oder Biere einer bestimmten Brauerei, welche ihr unbedingt mal „on Tap“ anbieten möchtet?
Es gab bereits Eines, das ich unbedingt anbieten wollte und wir sogar auch geschafft haben: Das Kriek von Cantillon, das hatten wir vor nicht all zu langer Zeit.
Es gibt ein Weiteres, das wäre mal ein Traum, das hier zu haben. Aber das wird wohl nicht passieren, und zwar das IPA „Pliny the Elder“ von Russian River. Das war quasi eine religiöse Erfahrung, dieses Bier zu trinken. Allerdings ist es äußerst schwer, an dieses Bier zu kommen. Brandon war erst vor kurzem in Californien, in der Bay Area, selbst dort kommt man sehr schwer an das Bier heran. Da muss man schon Kontakte haben, um an ein paar Flaschen zu kommen. Ich habe dieses Bier zwei Mal in meinem Leben getrunken und hatte vorher schon sehr hohe Erwartungen. Ich dachte mir „hoffentlich können die erfüllt werden“ – sie wurden sogar nochmal weit übertroffen! Es ist einfach ein geiles Bier, ich kann es nicht anders beschreiben.

Hoffentlich gibt es eine Vorwarnung auf Facebook, wenn sich dein Traum erfüllt?
Da müsst ihr euch wirklich sputen, denn da werden die Leute hier auf jeden Fall auch Schlange stehen. Aber eine Vorwarnung gibt es auf jeden Fall!

Vielen Dank das du dir für uns die Zeit genommen hast.

Hoptimizer Hoptimizer • 12. Juni 2016


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